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Kompetenzzentrum

Primärerhebung

Maßnahmen "Internet und Migration"

Bislang gibt es keine systematische Zusammenstellung von Projekten, Initiativen und anderen Maßnahmen, die speziell die Internetnutzung oder die Förderung der Internetnutzung von Migrantinnen und Migranten in Deutschland zum Ziel haben. Daher wurde im Rahmen der Bestandsaufnahme eine Primärerhebung durchgeführt, um weitere Maßnahmen zur Themenstellung "Internet und Migration" zu identifizieren und zu dokumentieren.

Der Fragebogen wurde über einen großen Verteiler an Organisationen, Einrichtungen, Unternehmen und Netzwerke März 2008 verschickt. Viele der Angeschriebenen meldeten sich telefonisch oder per E-Mail um mitzuteilen, dass sie leider keine entsprechende Maßnahmen durchführen oder kennen. 86 teils sehr detailliert ausgefüllte Fragebogen gingen in die Auswertung ein.

 

Organisation, Dauer und Beteiligte

Von der Art der Einrichtung, in der die Maßnahme angesiedelt ist, sind 45 in einem Verein bzw. Verband organisiert. Dies können sowohl Bildungseinrichtungen als auch Institutionen im Erziehungs-, Sozial- und Pflegebereich sein, in denen 17 bzw. 10 Maßnahmen zu finden sind. Auffällig ist, dass nur 3 Maßnahmen einem Unternehmen zugeordnet sind und keine Maßnahme einer Hochschule.

Die Beantwortung der Frage nach der Anzahl der beteiligten Akteure an der Maßnahme macht deutlich, dass es sich bei Mehrheit der Maßnahmen um kleine Projekte handelt: Nur 17 Befragte gaben an, dass mehr als fünf weitere beteiligte Akteure an der Maßnahme mitwirkten, bei 69 der Maßnahmen waren es weniger als fünf weitere beteiligte Akteurinnen und Akteure.

Bei der Frage nach der Dauer der Maßnahme ergaben die Antworten, dass die meisten Maßnahmen befristet sind. 35 Maßnahmen sind unbefristet, 50 Maßnahmen sind zeitlich befristet. Von den Letztgenannten haben 17 Maßnahmen eine Laufzeit von einem Jahr, 16 Maßnahmen eine von zwei bis vier Jahren.

Hintergründe und Ziele

Als Hintergründe für die Maßnahme wurde 33-mal die schwierige Arbeitsmarksituation angeführt. Dazu kommen 26 bzw. 22 Nennungen "geringe Internetkompetenz" und "wenig PC-Grundlagenkenntnisse". Auch werden sprachliche Barrieren in 16 Fällen als Hintergrund der Maßnahme angegeben.

Schlechter Zugang zu Informationen sowie zu PC & Internet wurde in 14 bzw. 9 Fällen angegeben, geringe Integration sowie migrationsbedingte Benachteiligung wurden 14- bzw. 11-mal als Hintergründe für die Maßnahme genannt. Die am häufigsten genannten Ziele der Maßnahmen sind die Vermittlung von Grundkompetenzen für PC und Internet in 32 und von berufsrelevanten PC- und Internetkompetenzen in 24 Fällen. Auch die Steigerung der (deutschen) Sprachkompetenz sowie die Bereitstellung von Informationen sind häufig genannte Ziele der Maßnahmen in 16 bzw. 17 Fällen.

Umsetzung, Art und Inhalt

Am häufigsten sind Angebote für PC-Schulungen: Sie werden in 47 Maßnahmen durchgeführt. Beratung und Coaching bieten 19 Maßnahmen an, Unterstützung bei Bewerbungsunterlagen gibt es in 13 Maßnahmen. In nur einem Fall werden mehrsprachige PC-Schulungen angeboten.

Bei der Frage nach Art und Inhalt zeigt das Ergebnis, dass die Mehrzahl der Maßnahmen Bildungsangebote sind: In 60 von 86 ausgewerteten Fragebögen wird "Bildungsangebot" gewählt. Inhaltlich steht der Erwerb von Medienkompetenz in 52 der Maßnahmen ganz vorn gefolgt von interkultureller Kompetenz und dem Erwerb von Alltagskompetenz, was 41- und 39-mal genannt wird. Ebenso häufig wie sprachliche Bildung wird Berufsorientierung als Inhalt der Maßnahme angegeben: 34-mal.

Zielgruppen und Teilnehmer/innen

Wer sollte mit der Maßnahme erreicht werden? 55 Maßnahmen richten sich überwiegend an Erwerbslose bzw. Arbeitssuchende und nur 15 Maßnahmen an Berufstätige allgemein. 28 Maßnahmen sprechen Ältere und 24 Kinder und Jugendliche an, sodass die Zielgruppen nach Alter recht ausgeglichen scheinen. Allerdings richtet sich nur eine Maßnahme an Kinder im Vorschulalter. 38 Maßnahmen richten sich an Frauen und Männer gleichermaßen und sind ethnisch gemischt.

Geschlechtshomogene Gruppen richten sich überwiegend an Frauen: In 35 Fällen sind die Maßnahmen für Frauen, dagegen richten sie sich in nur 5 Fällen ausschließlich an Männer.

Am häufigsten kommen die Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus Osteuropa und der Türkei: in 49 und 39 Fällen. Weiterhin stammen in 22 Maßnahmen die Teilnehmer/innen aus dem Nahen Osten, in jeweils 7 Fällen aus Nord- und Schwarzafrika. An Menschen aus Indonesien und China richten sich die wenigsten Maßnahmen.

Reichweite, Finanzierung und öffentliche Förderung

Auf die Frage nach der Reichweite der jeweiligen Maßnahme antworteten 48 der Befragten, dass sie auf kommunale Ebene beschränkt ist. 19 Maßnahmen haben eine landesweite Reichweite, 11 Maßnahmen bundesweit.

Europaweite Maßnahmen gibt es 2. Die Mehrzahl der Maßnahmen wurden öffentlich gefördert: in 76 Fällen. Eigenmittel bringen 18 Maßnahmen auf, in 7 Fällen werden Teilnehmerbeiträge eingesetzt und 6 Maßnahmen können die Finanzierung mit Spenden unterstützen. Die Fördermittel stammen in 34 Maßnahmen aus Landes- und in 33 Maßnahmen aus Bundesmitteln. Europäischer Fördergelder erhielten 26 Projekte, kommunale Mittel werden in 17 Maßnahmen verwendet.

Evaluation, Dokumentation und Veröffentlichung

In 40 Maßnahmen liegt die Anzahl der erreichten Personen unter 100, 14 Maßnahmen erreichten bis 500 Personen, über 5.000 Personen wurden in 9 Maßnahmen erreicht.

Das Erreichen der Ziele wurde in 31 Maßnahmen mit Evaluationsbögen gemessen. Lernstandsanalysen wurden in 12 Maßnahmen durchgeführt und eine Fremdevaluation in ebenso vielen Fällen. Aber auch die Regelmäßigkeit der Teilnahme sowie die Auswertung der Webstatistik dienten in 7 Fällen der Evaluation. Die Ergebnisse der Maßnahme werden in 29 Fällen in Berichten dokumentiert. 23 Maßnahmen veröffentlichen diese im Internet, 22 über die Presse. Keine Veröffentlichung gaben 17 der Befragten an. 12 Maßnahmen präsentieren ihre Ergebnisse auf Veranstaltungen, 7 haben eine Broschüre erstellt.

Erfolgsfaktoren und Hemmnisse

Die Kompetenz und das Engagement der Lehrenden werden als Erfolgsfaktoren von 22 Maßnahmen genannt. Die Zusammenarbeit der Akteurinnen und Akteure werden von 20 Befragten genannt gefolgt von der Zielgruppengenauigkeit, die 19 Maßnahmen angeben. Die Niedrigschwelligkeit der Maßnahme wird nur von 4 Maßnahmen als Erfolgsfaktor eingeschätzt. Als beeinträchtigende Faktoren für den Erfolg wird von 20 Maßnahmen die Begrenzung und von 7 Maßnahmen die Kürze der Förderdauer angegeben. Kulturelle Hindernisse, schlechte Zusammenarbeit der Akteure als auch die fehlende Motivation der Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden von 10, 9 und 8 Maßnahmen angegeben.

Als Empfehlung für zukünftige Maßnahmen geben 14 Maßnahmen an, Menschen mit interkulturellen Kompetenzen zu beteiligen. 12 empfehlen die Praxis-, Alltags- und Bedarfsorientierung und 11 halten die gemeinsame Entwicklung der Maßnahmen mit Migrantinnen und Migranten für wesentlich. Auch die Vernetzung mit relevanten Organisationen, die langfristige Sicherstellung der Förderung und die damit einhergehende Kontinuität werden von jeweils 10 Maßnahmen empfohlen.

pdf Fragebogen "Gute Beispiele" [197,74 kB | pdf]

Quelle: http://www.kompetenzz.de/Digitale-Integration/Migrantinnen/Expertise/Primaererhebung