In Deutschland besteht - wie in anderen europäischen Ländern - bisher ein erhebliches Defizit an empirischen Erkenntnissen über das Problem der Zwangsverheiratung. Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat daher die wissenschaftliche Untersuchung "Zwangsverheiratung in Deutschland - Anzahl und Analyse von Beratungsfällen" in Auftrag gegeben, die nun erschienen ist und deren Kurzfassung allen Interessierten kostenlos zum Download zur Verfügung steht.
Die Studie befasst sich mit der Anzahl der Betroffenen, ihren gesellschaftlichen Hintergründen, den Umständen von Zwangsverheiratung sowie spezifischen Gruppen von Bedrohten sowie Betroffenen. Die Analysen zeigen, dass vor allem Mädchen und Frauen von Zwangsverheiratung bedroht beziehungsweise betroffen sind, darunter knapp 30 Prozent im Alter bis einschließlich 17 Jahre. Auf die Altersklasse der 18- bis 21-Jährigen entfallen etwa 40 Prozent. Fast alle Beratenen haben einen Migrationshintergrund, in vielen Fällen zudem eine deutsche Staatsangehörigkeit.
Dass Frauen so deutlich das Bild prägen, bedeutet nicht, dass Jungen und Männer von der Problematik Zwangsverheiratung ausgeschlossen sind. Nicht zuletzt aufgrund traditionell ausgelegter Männlichkeitsrollen ist der Graubereich zwischen arrangierter Ehe und Zwangsverheiratung bei ihnen noch schwerer zugänglich als bei Frauen.
Die Kurzfassung der Untersuchung steht Ihnen unter www.bmfsfj.de zum Download zur Verfügung.