Barbara Leyendecker hat die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland für ihren unermüdlichen und herausragenden Einsatz zum Gemeinwohl der Bevölkerung sowie für ihr engagiertes Handeln zur Förderung von Frauen in Naturwissenschaft und Technik in der Bundesrepublik erhalten. Damit dient sie jüngeren Ingenieurinnen als Vorbild für außerberufliches Engagement. Diese Auszeichnung wurde ihr am 24. April 2012 von der Hessischen Ministerin für Wissenschaft und Kunst im Rahmen einer eigenen Feierstunde in der Hessischen Staatskanzlei überreicht.
Für eine Frau im Jahr 1969 ungewöhnlich entschließt sich Barbara Leyendecker für das Studienfach Maschinenbau mit dem Schwerpunkt Kunststofftechnik an der RWTH Aachen. „Es gab 500 Maschinenbaustudenten und mich, als 0,2 % Frauen in diesem Studiengang“, muss sie im ersten Semester feststellen. Bereits während ihres Studiums setzt sich Barbara Leyendecker als mehr- jährige Sprecherin für die Fachschaft Maschinenbau und durch ihre aktive Mitarbeit im Studenten- parlament, in Hochschulgremien und im ASTA für die Anliegen Anderer ein. Wegen ihrer außerge- wöhnlichen Verdienste in der Selbstverwaltung der Hochschule wird ihr als erster Frau in der Studierendenschaft die Ehrenplakette der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule / RWTH zugesprochen.
Das Industriepraktikum absolviert sie bei Hoch-Tief in Südafrika, das Diplom legt sie im Jahr 1977 ab und absolviert ein Aufbaustudium als Wirtschaftsingenieurin. Danach ist sie als Fakultäts- assistentin und Studienberaterin in der Fakultät für Maschinenwesen an der RWTH Aachen tätig und anschließend weitere 25 Jahre als technische Referentin im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), eine Arbeit, die sie auch in Teilzeit mit Familienpflichten kombinieren kann.
Neben ihrer erfolgreichen beruflichen Tätigkeit engagiert sich Barbara Leyendecker seit nahezu 30 Jahren im Deutschen Akademikerinnenbund (DAB e.V.). Sie wirkt entscheidend an der Gründung des Arbeitskreises „Frauen in Naturwissenschaft und Technik“ im Jahr 1986 mit, den sie anschließend 16 Jahre lang leitet, und dessen Arbeitsinhalte sie als Mitlied bis heute aktiv mit gestaltet. Als Grund für diesen unermüdlichen Einsatz nennt sie selbst: „Es bekommt der Technik gut, wenn sich mehr Frauen darum kümmern.“
Zentrale Inhalte ihrer unermüdlichen Arbeit im Arbeitskreis „Frauen in Naturwissenschaft und Technik“ waren und sind: Akzeptanz von Frauen in männlich dominierten Berufsfeldern der Technik und Naturwissenschaft Motivation von Schülerinnen für eine technisch-naturwissenschaftliche Ausbildung oder ein Studium sowie Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie durch angemessene staatliche, betriebliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen.
Der teilweise signifikante Anstieg von Frauen in technischen und naturwissenschaftlichen Berufsfeldern in den vergangenen Jahren ist mit auf die engagierte Arbeit von Barbara Leyendecker zurückzuführen. Um die Akzeptanz von Frauen im Ingenieurberuf zu erhöhen, besucht Barbara Leyendecker gerade in den 80-er Jahren immer wieder Arbeitsagenturen, um den dortigen Berufsberatern die Vorstellung nahe zu bringen, dass Frauen durchaus in der Lage sind, technische Berufe zu ergreifen.
In diesem Kontext ist es auch Barbara Leyendeckers Idee, mit einem eigenen Stand „Frau+Technik“ im Jahr 1988 auf die Hannover Industriemesse zu gehen, um Frauen im Ingenieurberuf in dem männlich geprägten Umfeld sichtbar zu machen. Trotz Schwangerschaft übernimmt sie die Federführung für Planung, Durchführung und Organisation dieses Projektes, an dem sich vier Verbände beteiligen: der DAB mit seinem Arbeitskreis, der Deutsche Ingenieurinnenbund (dib), der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) und der Verband Deutscher Elektrotechniker (VDE).
Der von Barbara Leyendecker initiierte Stand „Frau+Technik“ ist seinerzeit so ungewöhnlich für die westdeutsche Industriegesellschaft und erregt ein so großes Aufsehen in Politik und Presse, dass nicht nur der damalige Bundeskanzler, Dr. Helmut Kohl, und die Bundesfamilienministerin, Prof. Dr. Rita Süßmuth, ihren persönlichen Besuch abstatteten, sondern er trägt auch wesentlich zur Einführung der inzwischen selbstverständlichen Berufsbezeichnung „Ingenieurin“ anstelle von „Ingenieur weiblichen Geschlechts“ bei. Mit dieser eigenen Berufsbezeichnung haben die Frauen seit Ende der 80-er Jahre eine akzeptierte Daseinsberechtigung im Ingenieurberuf erreicht. Der seit einigen Jahren erfolgreich stattfindende Kongress „WoMenPower“ am letzten Tag der Hannover Messe Industrie geht auf das Projekt „Frau+Technik“ zurück.
Die Erfahrungen während ihres Industriepraktikums in Südafrika sind der Anlass für den jahrzehntelangen Einsatz Barbara Leyendeckers für Belange der Dritten Welt als Mitglied von terre des hommes und seit 2004 bei der Deutsch-Tansanischen Partnerschaft (DTP e.V.). Sie engagiert sich vor allem in der politischen Arbeit, für die Belange von Kindern und seit einigen Jahren auch für die Nutzung von Solar- und erneuerbaren Energien, insbesondere in Tansania, ein Land, das sie regelmäßig besucht. Ihr jüngstes Projekt ist ein Kinderbuch über die Nutzung von Solarenergie in Afrika, das sie – eigenfinanziert – in englisch und in der Landessprache Suaheli übersetzen lässt. Damit dieses Buch als außerordentliches Lehrmaterial für Secondary Schools im Englisch/Suaheli-Unterricht eingesetzt werden kann, nimmt sie Kontakt zu Multiplikatoren in Tansania auf und betreibt die Vernetzung von einschägigen Organisationen und Institutionen vor Ort.
Das Team vom Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit gratuliert Barbara Leyendecker ganz herzlich!