"Junge, welche Rolle spielst du? - Männlichkeitsbilder im Wandel"
Mehr als 200 Fachleute aus Politik und Pädagogik und andere Interessierte haben die Fachveranstaltung "Junge, welche Rolle spielst du?" in den Räumen der und orgnaisiert von Friedrich-Ebert-Stiftung in Berlin besucht. Wie hat der gesellschaftliche Wandel traditionelle Männlichkeitsvorstellungen verändert? Sind Jungen wirklich die neuen "Sorgenkinder der Nation", wie so oft in den Medien behauptet? Und was muss getan werden, um die Geschlechtergerechtigkeit in der Gesellschaft und im Bildungssystem voranzubringen? Diesen Fragen gingen die Referentinnen und Referenten der Tagung und die Gäste nach.
Mit zahlreichen Expertinnen und Experten aus Forschung und Praxis war die Veranstaltung hochkarätig besetzt. Nach der Begrüßung durch Dr. Christine Bergmann (ehemalige SPD-Bundesfamilienministerin und Vorstandsmitglied der Friedrich-Ebert-Stiftung) und Doro-Thea Chwalek (Projektleiterin Neue Wege für Jungs) folgten interessante Vorträge zum aktuellen Stand der Jungen-Forschung.
Prof. Dr. Edgar Forster (Universität Salzburg, Fachbereich Erziehungswissenschaft und Kultursoziologie) referierte unter dem Titel "Wann ist ein Mann ein Mann?" über Männlichkeitsbilder im Wandel und warnte eindringlich vor einer "moralischen Panikmache" über die angebliche Krise der Jungen und jungen Männer. Man sollte Jungen nicht stigmatisieren, sondern dabei unterstützen, ihr Potenzial auszuschöpfen, forderte Forster.
Prof. Dr. Barbara Koch-Priewe (Universität Bielefeld, Fakultät für Erziehungswissenschaft) sprach zum Thema "Jungen – Sorgenkinder oder Sieger?". Anhand aktueller Schulforschungsergebnisse machte Koch-Priewe deutlich, dass die These von den Jungen als angeblichen "Schulversagern" und "gewaltbereiten Machos" so nicht haltbar ist: "Nur noch elf Prozent der Jungen sehen den Macho als ihr Rollenmodell." Die Schulforscherin sprach sich gegen eine Trennung von Mädchen und Jungen im Unterricht aus, damit sich Geschlechterstereotypen nicht verfestigen.
Konsequenzen für Politik und Gesellschaft
Nach den Vorträgen diskutierten Professorin Koch-Priewe und Professor Forster gemeinsam mit der SPD-Bundestagsabgeordneten und Familienpolitikerin Kerstin Griese, Anne Jenter (Leiterin des Vorstandsbereichs Frauenpolitik bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) und Dr. Christine Bergmann in einer Podiumsdiskussion über die Konsequenzen für Politik und Gesellschaft.
"Neue Männer braucht das Land"
Bei der Fishbowl-Runde am Nachmittag hatten die Gäste Gelegenheit, mit den Expertinnen und Experten ins Gespräch zu kommen und eigene Fragen und Anliegen auszudrücken. Bei dieser offenen Form der Podiumsdiskussion können nämlich zwei Plätze der Gesprächsrunde von wechselnden Gästen aus dem Publikum besetzt werden. Die Fishbowl-Runde mit dem Titel "Neue Männer braucht das Land - Rollenwandel und Vielfalt als Gewinn" war mit Professor Dr. Detlef Pech (Humboldt-Universität Berlin, Institut für Erziehungswissenschaften), Professor Dr. Ahmet Toprak (Fachhochschule Dortmund, Fachbereich angewandte Sozialwissenschaften), Dr. Christine Bergmann und Doro-Thea Chwalek besetzt.
Konkrete Projekte im World Café
Um konkrete Angebote der Jungenförderung ging es zum Abschluss im World Café. An zehn Tischen präsentierten Netzwerkpartnerinnen und
-partner des Projekts Neue Wege für Jungs ihre Projekte und berichteten den interessierten Gästen bei Kaffee und Kuchen über ihre Praxiserfahrungen.
Mehr Informationen und Bilder gibt es hier: www.neue-wege-fuer-jungs.de
Fotos: Neue Wege für Jungs / Pixelio

















