Vom Vorschulkind bis zur Seniorin: Technische Bildung für alle.
Bielefeld 01.02.07. Technische Bildung geht alle an. Vom Vorschulkind bis zur Seniorin sollte daher der souveräne Umgang mit technischen Innovationen zum Alltag gehören. Experten und Expertinnen aus High Tech und Bildung - unter ihnen auch Prof. Barbara Schwarze, Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit - gründeten die Initiative "Technische Bildung in Deutschland".
Die Position Deutschlands als technologische "Innovationsschmiede" ist akut gefährdet. Zahlreiche Studien belegen in nachdrücklicher Weise die bildungsmäßigen Defizite in den technisch-naturwissenschaftlichen Bereichen und diagnostizieren hier eine wichtige Ursache für die nachlassende Innovationsdynamik.
Das Kompetenzzentrum, im Rahmen der Initiative für die Integration der Frauen- und Mädchenbildung verantwortlich, weist auf die sinkenden Zahlen der Studienanfängerinnen in den Ingenieurwissenschaften und Informatik hin. Hier ist dringender Handlungsbedarf erkennbar.
Um qualifizierten weiblichen Nachwuchs für diese Bereiche zu erschließen, muss ein breites Interesse an Technik in der Bevölkerung erzeugt werden. Insbesondere Mädchen und junge Frauen fehlen oft weibliche Vorbilder, die ihnen zeigen, dass Berufe in diesen Bereichen mit vielfältigen Lebensentwürfen vereinbar sind. Und so entscheiden sie sich im Rahmen ihrer Ausbildungs- und Studienwahl noch immer überproportional häufig für "typisch weibliche" Berufsfelder oder Studienfächer.
Um in Deutschland die Voraussetzungen für eine alle erreichende technisch-naturwissenschaftliche Bildung zu schaffen, haben sich im Dezember Bildungs-Expertinnen und Experten von der frühkindlichen Erziehung bis hin zur Erwachsenenbildung in der Initiative "Technische Bildung in Deutschland" zusammengeschlossen.
Angesichts dessen gehören Fragen der technischen Bildung - im breitesten Sinne quer durch alle Alters- und Bevölkerungsgruppen - zunehmend zu einem prominenten Anliegen der politischen Gestaltung und der gesellschaftlichen Diskussion. Es existieren vielfältige Initiativen zur Förderung der technischen Bildung, getragen und gefördert von engagierten Praktikern aus dem Bildungsbereich und der Industrie, privaten Förderern und nicht zuletzt öffentlichen Institutionen auf Landes-, Bundes- und europäischer Ebene.
Diese Vorhaben beziehen sich jedoch in der Regel auf spezifische Aspekte einzelner Sektoren des Bildungssystems. Oft fehlt jungen Frauen, aber auch zunehmend jungen Männern, eine inhaltliche Nähe zu einer Technikausbildung und diese wird kaum noch mit den persönlichen Zielen in Einklang gesehen. Häufig scheitert eine auf innovative Technikberufe ausgerichtete Ausbildungswahl an dem fehlenden Vertrauen in die eigene Kompetenz für eine technische Ausbildung oder Studium.
Maßnahmen, die sich beispielsweise an Abiturienten und Abiturientinnen richten und für technisch-naturwissenschaftliche Studiengänge werben sollen, greifen oftmals zu spät, weil sich die Interessenschwerpunkte bereits viel früher herausgebildet und gefestigt haben. Als weitere Konsequenz dieser segmentierten Aktivitäten bleiben vielfach Kooperationspotenziale zwischen den Beteiligten unerkannt. Gute wie weniger gute Erfahrungen und Praxisbeispiele sind nicht allen zugänglich, die davon profitieren könnten.
Um eine innovationsbezogene, bildungssektorübergreifende Perspektive in der technisch-naturwissenschaftlichen Bildung zu unterstützen, haben sich in der Initiative "Technische Bildung in Deutschland" Expertinnen und Experten aus den verschiedenen Gliedern der Bildungskette zusammengeschlossen. Das fachliche Spektrum der Beteiligten reicht von der frühkindlichen Pädagogik (Prof. Dr. Hilde von Balluseck, Alice-Salomon-Fachhochschule Berlin) und der schulischen Bildung (Prof. Dr. Manfred Euler, Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften Kiel) über die berufliche Bildung (Dr. Ulrich Blötz, Bundesinstitut für Berufsbildung Bonn) und die Hochschulbildung (Prof. Dr. Andrä Wolter und Karl-Heinz Minks, Hochschul-Informations-System Hannover) bis hin zur Erwachsenenbildung (Dr. Stephanie Conein, Deutsches Institut für Erwachsenenbildung Bonn) und Mädchen- und Frauenbildung (Prof. Barbara Schwarze, Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit Bielefeld).
Das Vorhaben wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen der Innovations- und Technikanalyse (ITA) gefördert und von der VDI/VDE Innovation + Technik GmbH (VDI/VDE-IT) moderiert.
Weitere Informationen:
VDI/VDE Innovation + Technik GmbH
Dr. Regina Buhr, Dr. Ernst Hartmann
Tel.: 030 310078-109, Email:
buhr
vdivde-it
de
Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit
Prof. Barbara Schwarze
Tel.: 0521/106 7321, Email:
schwarze
kompetenzz
de
www.kompetenzz.de
Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung der Zahl der Studienanfängerinnen in den Studienbereichen Informatik, Maschinenbau/Verfahrenstechnik, Elektrotechnik und Bauingenieurwesen von 1975 bis 2005.














