Medien - Vielfalt nutzen: Themenfeld 8 des Nationalen Integrationsplans
Die gesellschaftliche Integration der 15,3 Millionen in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund steht spätestens seit der Veröffentlichung des Nationalen Integrationsplans (NIP) der Bundesregierung im Juli 2007 ganz oben auf der politischen Agenda. Integration wird als Schlüsselaufgabe für die Zukunft, besonders im Hinblick auf den demografischen Wandel, betrachtet.
In zehn zentralen Themenfeldern sind im NIP Zielvereinbarungen sowie über 400 konkrete Maßnahmen und Selbstverpflichtungen der staatlichen und nicht staatlichen Akteure konzentriert. Im Themenfeld "Medien - Vielfalt nutzen" wird die Rolle und Bedeutung der Medien, die sie im Integrationsprozess spielen, betrachtet. Die grundsätzliche Notwendigkeit gesellschaftlicher Integration von Migrantinnen und Migranten wird hier immer vorausgesetzt. Der Integrationsbegriff wird nicht explizit thematisiert.
Medien als Plattformen öffentlicher Kommunikation
In erster Linie werden hier die Massenmedien Fernsehen, Zeitschriften und Zeitungen sowie Rundfunk betrachtet. Allerdings verwischen die Grenzen zwischen Individual- und Massenmedien zunehmend, so dass die sogenannten neuen Medien - Computer und Internet - mit gemeint sind.
Medien sind Plattformen für öffentliche Kommunikation. Mit zunehmender gesellschaftlicher Pluralisierung stehen sie vor der Herausforderung, soziale und kulturelle Vielfalt zu thematisieren und dabei mitzubedenken, dass die in Deutschland lebende Migrationsbevölkerung eine sehr heterogene Adressatengruppe ist. In den Bereichen
- Programmplanung und Berichterstattung,
- Personalgewinnung und -entwicklung,
- Medienforschung und Förderung von Medienkompetenz und
- Angebote für migrantische Zielgruppen
werden Ideen formuliert, die zu einer verbesserten gesellschaftlichen Integration durch Medien beitragen können.
Multilinguale Programme: Unverzichtbarer Beitrag zur Integration
Die zunehmende Heterogenität einer Gesellschaft wird durch multilinguale Programme abgebildet und sind so ein unverzichtbarer Beitrag zur Integration. Sie können Zuwanderern, die noch keine Deutschkenntnisse haben, erste Handreichungen und Informationen über die Gepflogenheiten der Einwanderungsgesellschaft geben.
Medienangebote müssen einerseits mehrheitsfähig sein, andererseits müssen sie aber auch spezielle Themen und Lebenserfahrungen aufgreifen. In Anerkennung der zugrunde liegenden Vielfalt muss der Austausch über kulturelle Unterschiede selbstverständlicher Bestandteil der Medien in ihrer gesamten Bandbreite werden. Die mit Migration und Integration verbundenen Themenfelder sollen in allen Medien - auch Internetportalen - nachhaltig aufgegriffen und thematisiert werden.
Internet als geeignete Transportplattform für Migration und Integration
Die Themen Migration und Integration wurden in der Vergangenheit nicht durchgehend vernachlässigt. Für den Online-Bereich gilt, dass sich Netzauftritte finden, die sich an Migrantinnen und Migranten wenden und Integration fördern. Ein Beispiel dafür ist das Webportal "Qantara, die Brücke", das im Rahmen der Ernst-Reuter-Initiative des Auswärtigen Amts die Zusammenarbeit deutscher und türkischer Medien fördert. Das Webportal zum interkulturellen Dialog hat aktuell sein bisher dreisprachiges Angebot - deutsch, arabisch, englisch - um eine türkische Sprachfassung erweitert. www.qantara.de
Das Internet stellt eine geeignete Plattform dar, um begleitend zu inhaltlichen Angeboten aller Medien - Fernsehen, Hörfunk und Presse - die Themen Migration und Integration zu transportieren. Dieses Potenzial solle bei der Programmplanung mit berücksichtigt werden, um Wechselwirkungen und Synergien der Medien untereinander für die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund zu nutzen.
Medienforschung und Medienkompetenz zu "Neuen Medien"
Die multifunktionalen Medien Computer, Internet und Mobiltelefon bergen erhebliche Potenziale für die Integration. Um diese auszuschöpfen und darüber Chancengleichheit zu fördern, sind Erkenntnisse über Zugangsweisen und Nutzungsverhalten der Migrantinnen und Migranten notwendig. Hier besteht eine Forschungslücke, ebenso fehlen Studien zur Medienkompetenz. Die Vermittlung der spezifischen Kompetenz ist bislang nicht in ausreichendem Maße gelungen.
Sinnvoll ist eine intensivere Grundlagenforschung zur Ausstattung der Haushalte mit Medien, zu Medienpräferenzen und den Umfang der Nutzung mit qualitativen Erhebungen. Forschung und Projekte zur Förderung der Medienkompetenz sind notwendig, um die kompetente und gezielte Nutzung der neuen Medien für die Weiterentwicklung integrationsfördernder Angebote zu ermöglichen. Analysen der Medienforschung sind gefordert Zusammenhänge zwischen Integrationsstatus, sozialem Milieu und Mediennutzungsverhalten
sichtbar zu machen.
Nationaler Integrationsplan: www.bundesregierung.de

















