Handlungsempfehlungen

Handlungsempfehlungen zur Optimierung der Online-Kompetenz von Migrantinnen und Migranten

Auf der Basis einer systematischen Zusammenstellung vorhandener Zahlen, Daten und Fakten zur Mediennutzung von Frauen und Männern mit Migrationshintergrund sowie der Bestandsaufnahme von Projekten und Initiativen, die in der Medien- und Bildungsarbeit von Migrantinnen und Migranten tätig sind, wurden gemeinsam mit dem Projektbeirat von September 2008 bis Februar 2009 Handlungsempfehlungen entwickelt un dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend vorgelegt.

1. Sensibilisierung der Öffentlichkeit

Öffentliche Aufmerksamkeit für die Bedeutung der digitalen Medien im Prozess der gesellschaftlichen Integration schaffen

These: Die Bedeutung des Internets für die gesellschaftliche Integration von Migrantinnen und Migranten in Deutschland ist weitgehend unbekannt. Eine engere Zusammenarbeit von Wissenschaft, Politik und Praxis ist dringend notwendig, um die digitale Integration von Migrantinnen und Migranten zu verbessern.

2. Neukonzeption

Digitale Integration im Hinblick auf die gesellschaftliche Integration unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen mit Migrationshintergrund konzeptionell neu fassen und empirisch absichern.

These: Für zukünftige Forschungsarbeiten und die Weiterentwicklung von entsprechenden theoretischen Konzepten ist die Neudefinition zentraler Begriffe wie „Onlinekompetenz“ und „digitale Integration“ im Hinblick auf die gesellschaftliche Integration von Migrantinnen und Migranten zwingend notwendig. Bisher liegen nur sehr wenige Untersuchungen zur Internetnutzung von Migrantinnen und Migranten vor, die sich an den Potenzialen der Menschen orientieren und das breite Spektrum vielfältiger Migrationshintergründe abbilden.

3. Forschungsbedarf und -förderung

Empirische Studien und Begleitforschung zu Praxisprojekten anregen und öffentlich fördern.

These: Forschungen, die das konkrete Nutzungsverhalten und den Umgang mit digitalen Medien von Migrantinnen und Migranten identifizieren und in Hinblick auf das Potenzial zur gesellschaftlichen Integration analysieren, sind im allgemeinen öffentlichen Interesse, bisher jedoch kein expliziter Bestandteil der Integrationspolitik in Deutschland. Erfolge, Erfahrungen und Risiken von Maßnahmen und Projekten werden nur selten über eine Begleitforschung nachhaltig gesichert, um eine Grundlage für Qualitätssicherung und -entwicklung zu bieten.

4. Potenzial Migrantinnen und Migranten

Migrantinnen und Migranten sowie ihre (Selbst-)Organisationen als Akteure anerkennen und stärken sowie in die Entwicklung, Umsetzung und Bewertung von Maßnahmen zur digitalen Integration einbinden.

These: Migrantinnen und Migranten sind Expertinnen und Experten ihrer Lebenslagen und als solche kommt ihnen eine zentrale Multiplikationsfunktion zu. Ihre (Selbst-)Organisatio¬nen haben darüber hinaus auch politische und strategische Bedeutung. Als eigenständig Verantwortliche, aktiv Gestaltende oder als Gleichberechtigte in einer Kooperation oder Partnerschaft sowie als positive Vorbilder im Prozess der digitalen und gesellschaftlichen Integration haben sie bisher kaum Bedeutung. Der Aufbau von Onlineangeboten von (Selbst-)Organisationen kann die eigene Kompetenz und Netzwerkbildung stärken sowie gleichzeitig die öffentliche Sichtbarkeit erhöhen.

5. Sicherstellen des Zugangs

Den Zugang zur Internetnutzung für Migrantinnen und Migranten sicherstellen.

These: Medien sind Erfahrungsgüter. Die Entscheidung zur Nutzung von Computer und Internet kann nur vor dem Hintergrund eigener positiver Erfahrung mit dem Medium getroffen werden. Öffentliche Zugangsorte können positive Erfahrungsprozesse unterstützen und begleiten.

6. Vielfalt und Differenzierung

Zur Steigerung der Onlinekompetenz von Migrantinnen und Migranten verschiedene Wege gehen.

These: Die digitale Integration von Menschen mit Migrationshintergrund bedarf einer differenzierten Herangehensweise.

7. Multiplikatorinnen und Multiplikatoren

Multiplikatorinnen und Multiplikatoren interkulturell, technisch und methodisch qualifizieren.

These: Multiplikatorinnen und Multiplikatoren haben bei der Vermittlung von Onlinekompetenz an Menschen mit Migrationshintergrund ein besonderes Potenzial, das verstärkt genutzt werden sollte. Multiplikatorinnen und Multiplikatoren können Ehrenamtliche, Sozialarbeiterinnen, Sozialarbeiter, Erzieherinnen, Erzieher, Pädagoginnen und Pädagogen, Eltern, Freunde etc. sein.

8. Relevante Inhalte

Alltagsrelevante Inhalte in zielgruppenspezifischen Sprachangeboten entwickeln und verbreiten.

These: Multiplikatorinnen und Multiplikatoren haben bei der Vermittlung von Onlinekompetenz an Menschen mit Migrationshintergrund ein besonderes Potenzial, das verstärkt genutzt werden sollte. Multiplikatorinnen und Multiplikatoren können Ehrenamtliche, Sozialarbeiterinnen, Sozialarbeiter, Erzieherinnen, Erzieher, Pädagoginnen und Pädagogen, Eltern, Freunde etc. sein.

9. Lernkonzepte

Didaktische und methodische Konzepte von realen und virtuellen Lernangeboten bedarfsgerecht weiterentwickeln und einsetzen.

These: Menschen mit Migrationshintergrund bilden eine vielfältige Bevölkerungsgruppe und unterscheiden sich stark nach demografischen und milieuspezifischen Merkmalen. Für die Entwicklung von Lernangeboten fehlen weitgehend didaktisch-methodische Ansätze, die über die Individualisierung des Lernprozesses hinaus die Besonderheiten der Lebensund Erfahrungswelt von Migrantinnen und Migranten angemessen berücksichtigen.

10. Nachhaltigkeit

Verlässliche Strukturen zur Vernetzung und zur Kontinuität schaffen.

These: Onlinekompetenzprojekte für Migrantinnen und Migranten profitieren vom Aufbau verlässlicher Strukturen.

11. Potenzial Onlinekommunikation

Potenziale neuer Formen der Onlinekommunikation für Gesellschaft und Individuum im Hinblick auf Integration und Partizipation erschließen.

These: Über Web-2.0-Anwendungen werden Möglichkeiten geschaffen, die neue Formen der Kommunikation sowie Alltags- und Konfliktbewältigung generieren.

12. Mehrsprachigkeit

Die Internetseiten des Bundes, der Länder und Kommunen in mehreren Sprachen anbieten.

These: Das Onlineangebot öffentlicher Stellen von Bund, Ländern und Kommunen ist für Migrantinnen und Migranten in Deutschland nicht ausreichend. Es fehlen Angebote in mehreren Sprachen. Mehrsprachigkeit sollte vermehrt in der deutschen Gesellschaft als Potenzial genutzt werden.

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Perspektiven für zukünftige Angebote zur Stärkung des Internet-Nutzungsinteresses von Frauen und Männern mit Migrationshintergrund in Deutschland

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Erste Studie zum Zusammenhang von "Internetnutzung und Migrationshintergrund in Deutschland".

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