Offliner 2008: Ein Drittel der Deutschen bleibt weiter offline
Ergebnisse der ARD/ZDF-Offline-Studie 2008: Die Zahl der Menschen, die das Internet nicht nutzen, hat sich im letzten Jahr weiter verringert. 2008 sind 34,2 Prozent der Bevölkerung in Deutschland – dies entspricht 22,17 Millionen Erwachsenen (ab 14 Jahre) - ohne Internetzugang bzw. -nutzung, 2007 waren es noch 37,3 Prozent. Die Internetnutzung steigt also – wenn auch in abgeschwächter Form – weiter an: Innerhalb eines Jahres hat sich der Anteil der Offliner in der Bevölkerung um rund zwei Millionen verringert.
Mit knapp über 22 Millionen ist die Gruppe der Offliner jedoch immer noch sehr groß. Um vermehrt Menschen aus dieser Gruppe mit zielgruppengerechten Maßnahmen für die Nutzung des Internet zu gewinnen, sind Erkenntnisse über die soziodemografische Zusammensetzung dieser Gruppe sowie Einstellungen und Motive der Nichtnutzung von großer Bedeutung.
Soziodemografische Struktur der Offliner 2008
Auch 2008 bildeten den höchste Anteil der Offliner mit 73,6 Prozent die über 60-Jährigen.Neben dem Alter bestimmt auch das Geschlecht den Offlinestatus: Gegenwärtig sind 61 Prozent der Offliner Frauen und 39 Prozent Männer. Überwiegend leben sie in Ein- oder Zweipersonenhaushalten (70%). Nicht-Berufstätige/Rentnerinnen und Rentner sind zu 66,8 Prozent offline und formal geringer Gebildete zu 53,3 Prozent.
Außerdem ist die technische Ausstattung der Offlinerhaushalte reduzierter. Neben der geringeren Ausstattung mit PCs ist auch das Handy in Offlinerhaushalten mit 76 Prozent deutlich seltener vorhanden als in Onlinerhaushalten, wo der Anteil bei 98 Prozent liegt.
Typologie der Offliner 2008
Aus Einstellungen, Motiven und Lebensumständen der befragten Offliner wurde 2004 eine Offlinertypologie mit insgesamt fünf Typen entwickelt, die nicht nur den "Verweigerungsgrad", sondern auch die Motive der Nichtnutzung beschreiben.Die "Desinteressierten" mit 5,01 Millonen und die "Ablehnenden" mit 6,49 Millionen zählen dabei zu den internetfernsten Typen; sie sind mit durchschnittlich 70 bzw. 64 Jahren älter als die drei anderen Gruppen, sind dementsprechend mehrheitlich in Rente und weisen niedrigere formale Bildungsabschlüsse auf.Die Desinteressierten geben an, keinerlei Vorstellung davon zu haben, was das Internet ist oder was man im bzw. mit dem Internet alles machen kann. Die Ablehnenden verfügen zwar über Vorstellungen, neun von zehn werden sich aber in absehbarer Zeit keinen Internetzugang anschaffen. Ein weiteres Viertel der Offliner zählt zum Typ der "Distanzierten". Sie stellen mit 5,37 Millionen den zweitgrößten Offlinertyp, sind im Schnitt 61 Jahre alt, zwei Drittel sind weiblich. Ihre Anschaffungsbereitschaft ist ebenfalls niedrig, rund 22 Prozent von ihnen zählen aber immerhin zu den Computernutzerinnen und -nutzern.
Die "Nutzungsplaner" und "Erfahrenen" stehen dem Internet am wenigsten fern. Die 2,67 Millionen Nutzungsplaner sind mit durchschnittlich 55 Jahren die jüngsten und die Anteile der Frauen und Männer sind mit 53 zu 47 Prozent relativ ausgeglichen. Dieser Typ unterscheidet sich am deutlichsten von den anderen: Knapp die Hälfte von ihnen ist berufstätig und verfügt über das höchste Haushalts-Nettoeinkommen unter den Offlinern. Weiteres Unterscheidungsmerkmal ist, dass in rund der Hälfte der Haushalte der Nutzungsplanenden drei oder mehr Personen leben, in 13 Prozent der Haushalte sind die Kinder noch unter 14 Jahre alt.
Die 2,62 Millionen Erfahrenen haben in der Vergangenheit bereits das Internet genutzt, dabei je hälftig am Arbeitsplatz und zu Hause – diese Nutzung liegt im Schnitt aber eineinhalb Jahre zurück. Sie sind mit durchschnittlich 57 Jahre der zweitjüngste Offlinertyp und weisen die höchsten Anteile an formal höher Gebildeten auf. Vor anderen Argumenten ist für die Gruppe der „Ex-Onliner" ausschlaggebend, sich vorübergehend oder langfristig vom Internet abzukehren, dass ihnen die Angebote aus den traditionellen Medien ausreichen und sie das Internet weder beruflich noch privat brauchen.
Internetnutzung und die Vorstellungswelt der Offliner
In allen Offliner-Gruppen werden übereinstimmend im Wesentlichen vier Faktoren für die Nichtnutzung des Internet genannt:
- die traditionelle Medien sind ausreichend (95 % Zustimmung),
- das Internet wird weder beruflich noch privat gebraucht (90 %),
- es ist weder Zeit noch Lust vorhanden, sich mit dem Internet zu beschäftigen (81 %),
- das Geld wird eher für andere Anschaffungen verwendet (81 %).
Für die Offliner entwickeln sich zudem Sicherheitsbedenken zunehmend zu einer relevanten Einstiegshürde in die Onlinewelt. Die Bedenken hinsichtlich der Datensicherheit und Schutz der Privatsphäre haben im vergangenen Jahr stark zugenommen. Knapp 80 Prozent der Offliner befürchten, dass sich Unbefugte im Netz Zugang zu ihren persönlichen Daten verschaffen könnten.
Neben der mangelnden Datensicherheit stellt auch das angeblich hohe Suchtpotenzial des Netzes einen Distanzierungsgrund dar, der in den vergangenen Jahren weiter gewachsen ist. Neun von zehn
Nutzungsplanenden glauben, dass das Internet süchtig machen kann. Etwas sorgloser gehen die Erfahrenen mit diesem Thema um. Hier sind es aber immerhin 75 Prozent, die Suchtgefahren sehen.
Vor allem die Älteren bemängeln, dass das Internet an eine Sprache gekoppelt ist, die sie gar nicht mehr verstehen. Zwei Drittel der ab 60-jährigen Offliner fühlen sich durch die spezifische Begriffswelt des Netzes ausgegrenzt. Insgesamt nehmen die problematischen Seiten des Internet in den Einstellungen der Offliner großen Raum ein.
Chancen und Potenziale
Die Chancen und Potenziale des Netzes werden von den Offlinern im Jahr 2008 verhaltener beurteilt als in den Vorjahren, die „Schattenseiten“ des Netzes sind relativ stark in den Fokus der Bewertung gerückt. Folgende positive Aspekte werden der Internetnutzung aber dennoch zugesprochen:
- Die mobile Nutzung (traditioneller) Medienangebote erscheint sehr attraktiv. 40 Prozent der Offliner finden z. B. die Möglichkeit, Radioprogramme mobil empfangen zu können, nützlich.
- 73 Prozent der Offliner sind der Meinung, dass das Internet mehr Möglichkeiten bietet, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Das ist jedoch ein Rückgang um 6 Prozentpunkte gegenüber 2007.
- Fast 90 Prozent der Nutzungsplanenden erwartet, durch das Internet neue Menschen kennen zu lernen.
- Für 66 Prozent (minus 3 %-Punkte) ist das Internet ein Medium, das Chancengleichheit fördert, weil alle den gleichen Informationszugang haben.
- 62 Prozent der Offliner (minus 8%-Punkte) halten das Internet für ein demokratisches Medium, weil dort jeder seine Meinung oder eigene Beiträge einstellen kann, bei den Nutzungsplanenden sind es sogar 80 Prozent.
Fazit
Der „Offline-Status“ wird von den Offlinern selbst nicht unbedingt als Nachteil bzw. Mangel gesehen. Um die vielfachen Barrieren zum Online-Zugang zu verringern, muss aus Sicht der Offliner viel getan werden: Angefangen bei den Themen Sicherheit und Datenschutz bis hin zur letztlich entscheidenden Frage des Mehrwerts für sie. In dem Maße, in dem Offliner die Chancen und Möglichkeiten des Internet, seine Stärken und Gefährdungen realistisch einschätzen können, werden sie auch besser in der Lage sein, es sich für ihre Bedürfnisse nutzbar zu machen.
Quelle: Maria Gerhards / Annette Mende: Ergebnisse der ARD/ZDF-Offlinestudie 2008: Ein Drittel der Deutschen bleibt weiter offline. In: Media-Perspektiven 7/2008, Seite: 365-376.


















