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Gutes tun im World Wide Web

Das Internet nimmt einen immer breiteren Raum im privaten und öffentlichen Leben der Menschen ein. Auch das freiwillige Engagement bleibt von dieser Entwicklung nicht unberührt. Doch was bedeutet dies konkret für die ehrenamtliche Tätigkeit und die ehrenamtlich Tätigen? Ein Ausblick.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Das klassische Ehrenamt ist keineswegs vom Untergang bedroht. Die Fußballjugend wird auch in Zukunft nicht über das Internet trainiert, Pflegebedürftige nicht online versorgt werden. Was sich ändert und weiter verändern wird, ist im Falle klassisch ehrenamtlicher Aufgaben weniger das "Was?" als das "Wie?" dieser Tätigkeiten.

So konstatiert z. B. eine Studie zum freiwilligen Engagement, durchgeführt von TNS Infratest im Auftrag des Bundesfamilienministeriums, bereits 2005 die wichtige Rolle des Internets für Organisation und Ablauf ehrenamtlicher Arbeit. "Für bestimmte Aufgaben im Rahmen des Engagements hat das Internet bereits zentrale Bedeutung, z. B. für die Vernetzungsarbeit und die Mittelbeschaffung", heißt es dort ("Freiwilliges Engagement in Deutschland 1999 - 2004").


Alles spricht dafür, dass dieser Trend sich weiter fortsetzt: Vereine und Verbände präsentieren sich und ihre Angebote noch stärker im Netz, werben dort vermehrt um neue Mitglieder und Unterstützung. Größere Organisationen bieten Datenbanken an, die Hilfesuchende und Hilfebietende gezielt zusammenbringen. Jüngstes Beispiel aus einer ganzen Reihe solcher Datenbanken: das Portal "engagiert in deutschland", das gegen Ende August an den Start gehen und Interessenten Nachrichten, Fachinformationen sowie Hinweise zu Projekten und Veranstaltungen bieten soll.

Engagement im World Wide Web

Klassisches Ehrenamt, um Internet-Aspekte bereichert: Das ist die eine Entwicklung. Die andere: Engagement, das im Netz selbst stattfindet. Manchmal handelt es sich hierbei um Ableger bereits etablierter Formen aus der analogen Welt. Webmail- und Chat-Angebot der Telefonseelsorge sind hierfür gute Bei- spiele. 1995 beziehungsweise 2001 gestartet, sind die beiden jüngeren Schwestern der klassischen Seelsorge per Telefon inzwischen fest etabliert: Jährlich etwa 4 300 Erstanfragen per Mail beziehungsweise ca. 4 400 Kontakte per Chat treffen dort ein. Dr. Bernd Blömeke, Leiter des Arbeitsbereiches TelefonSeelsorge im Diakonischen Werk der evangelischen Kirche, zur Motivation für die Schaffung der zusätzlichen Angebote: Man habe festgestellt, "dass sich das Internet immer stärker entwickelt, viele Leute sich dort tummeln, vielfach auch dort nach Rat und Hilfe suchen, die Angebote, die sie dort finden, aber häufig sehr unspezifisch sind und sehr schlecht einzuordnen ist, wie verlässlich sie sind."

Neue Zielgruppen im Internet

Dass die digitalen Angebote das analoge nicht etwa ersetzen, sondern erweitern, zeigt Blömekes folgende Aussage: "Mit dem Internet- Angebot erreicht man eine andere Zielgruppe als am Telefon. Sehr pauschal: Diejenigen, die wir über unser Internet-Angebot erreichen, sind jünger. Häufig sind es gravierende Themen, die dort geäußert werden, und zwar aus dem einfachen Grunde, dass es den Ratsuchenden per Mail oder Chat einfacher ist als am Telefon oder gar im persönlichen Kontakt, die Affekte zu regulieren, die zum Beispiel durch die Schilderung von einem traumatisierenden Erlebnis – Missbrauchserfahrung, Gewalterfahrung, Essstörungen - entstehen."

Obwohl Blömeke davon spricht, dass die Ratsuchenden im Internet oft jüngeren Alters sind, hält er gerade die Seelsorge per Mail für eine gute Möglichkeit, sich als Älterer zu engagieren: "In der Mail-Arbeit arbeiten gerne auch ältere Ehrenamtliche mit, weil diese eine Briefkultur mit- bringen. Für die Mail-Arbeit braucht man eine gewisse Briefkultur, man muss Briefe lesen und auch darauf antworten können."


Einen Schritt weiter in Richtung digitales Engagement befindet sich das Projekt Wikipedia. Wikipedia hat kein analoges Pendant. Wer für die kostenlose und frei zugängliche Enzyklopädie arbeitet, tut dies ausschließlich im Internet. Allein für die deutschsprachige Version sind über 7 000 Autoren tätig. Über 1 Million Artikel in deutscher Sprache sind seit dem Jahr 2001 entstanden.

Motivation für freiwillige Arbeit im Netz

Was bewegt Menschen, ihre Freizeit mit der unentgeltlichen Erstellung oder Bearbeitung von Wikipedia-Artikeln zu verbringen? "Mir gefällt der Gedanke des freien Wissens", sagt Wikipedia-Autor Ralf Lotys, "die Möglichkeit, Wissen anderen zur Verfügung zu stellen." Martin Rulsch äußert sich ähnlich: "Mir bereitet es Freude, an diesem Projekt gemeinsam mit Tausenden Personen zusammenzuarbeiten, die alle das gleiche Interesse haben: sich mit für sie interessanten Themen zu beschäftigen, die Literatur dazu zu sammeln, zu sichten und zu verarbeiten, um damit Menschen, die vielleicht nicht die dafür nötige Kenntnis oder Zeit haben, einen guten Überblick über ein Thema zu verschaffen." Bei der Arbeit an Wikipedia schätzt er, dass er seine Zeit und Aktivität "relativ frei selbst bestimmen" kann.

Letzteren Punkt spricht auch Dr. Udo Thiedeke vom Institut für Soziologie der Johannes Gutenberg-Universität Mainz an, wenn er sagt, dass im Internet "Spontan- oder Gelegenheitsengagement leichter möglich wird". Auch er sieht übrigens gute Chancen, dass das Internet gerade für Ältere zum Ort sozialen Engagements wird: "Meiner Meinung nach wird Engagement im Netz für die ältere Generation deshalb eine zunehmende Bedeutung erfahren, weil man hier auch bei möglichen Bewegungseinschränkungen mit überschaubaren Mitteln aktiv an gesellschaftlichen Aufgaben mitwirken und dabei neue Kontakte zu anderen Engagierten knüpfen kann."

Eine ganz wesentliche Voraussetzung muss dabei natürlich erfüllt sein: Wer sich im oder mittels Internet engagieren will, braucht einen Zugang zu demselben. Auch hier gibt es in Bezug auf ältere Menschen positive Signale: Der " (N)ONLINER-Atlas 2010" verzeichnet die größten Zuwachsraten bei der Internet-Nutzung in der Altersgruppe der 60- bis 69-Jährigen.

Quelle: www.erfahrung-ist-zukunft.de

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