Fachkräftemangel: Neues Barometer von acatech und VDI erleichtert die Ursachenforschung
Deutschland leidet unter einem Fachkräftemangel bei technischen Berufen, der sich in den kommenden Jahren noch verschärfen dürfte. Was aber sind die Gründe dafür, dass in den vergangenen Jahren immer weniger Studierende ein entsprechendes Studium abgeschlossen haben? Warum haben gute Berufsperspektiven den negativen Trend nicht drehen können? Wie schätzen Studienanfängerinnen und -anfänger die Technikwissenschaften ein? Wie fallen die Antworten von Fachkräften aus, die bereits in den Technikwissenschaften arbeiten?
Antworten auf diese Fragen liefern soll das neue "Nachwuchsbarometer Technikwissenschaften", das vom Verein Deutscher Ingenieure (VDI) und acatech, der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften, durch Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung entwickelt wird. Bei einem Auftaktworkshop in Berlin wird das Nachwuchsbarometer der Fachöffentlichkeit jetzt erstmals vorgestellt.
Im Bereich der Technik und Naturwissenschaften zeichnet sich seit geraumer Zeit ein beunruhigender Trend ab: in Deutschland sowie anderen Industriegesellschaften wird eine immer stärker werdende Abkehr von technischen und naturwissenschaftlichen Berufen erkennbar. Weder positive Entwicklungen am Arbeitsmarkt noch der rasante technologische Fortschritt konnten bisher eine Umkehr des spürbaren Fachkräftemangels bewirken, der durch die demographische Entwicklung zusätzlich verschärft wird.
Um mehr Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie der negativen Entwicklung wirkungsvoll begegnet werden kann, reichen bisherige Erhebungen nicht aus, weil sie die Motive von Studenten und Beschäftigten kaum erfassen. Diese Informationslücken schließen soll das Projekt "Nachwuchsbarometer Technikwissenschaften: Ein innovatives Instrument zum kontinuierlichen Monitoring von individuellen Motivationen und gesellschaftlichen Entwicklungen bei technisch-naturwissenschaftlichen Studiengängen und Berufen".
Das "Nachwuchsbarometer Technikwissenschaften" ist Teil der Qualifizierungsinitiative der Bundesregierung und wird von acatech - Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und dem Verein Deutscher Ingenieure, VDI, erhoben. Für Bundesbildungsministerin Dr. Annette Schavan ist die nachhaltige Sicherung der Fachkräftebasis im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) vordringliches Ziel. "Durch das Nachwuchsbarometer Technikwissenschaften wird eine dringend notwendige Expertise zur Verfügung gestellt, auf deren Basis alle Verantwortlichen strategische Maßnahmen entwickeln können", sagte die Ministerin.
Projektpartner ist der Lehrstuhl für Umwelt- und Techniksoziologie der Universität Stuttgart.
Der Ansatz des neuen Barometers ist zweistufig: Das "Nachwuchsbarometer Technikwissenschaften" wird zunächst das allgemeine Image von Ingenieuren und Naturwissenschaftlern auf Grundlage bestehender empirischer Studien ermitteln. Ergänzt werden sollen diese Daten dann um subjektiv wahr genommene Gründe, die für oder gegen eine Laufbahn in den Technikwissenschaften sprechen. Erhoben werden dafür die Einschätzungen von Schülern und Studierenden sowie die Erfahrungen und Meinungen von erwerbstätigen und arbeitsuchenden, selbstständigen und freiberuflich arbeitenden Ingenieuren und Naturwissenschaftlern. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Vorgehensweise nicht nur Erkenntnisse darüber, welche Informationsquellen zur Berufsentscheidung genutzt werden und in welchem Verhältnis Erwartungen und Erfahrungen an Studium und Beruf stehen. Aufgrund der Langfristigkeit der Erhebungen - geplant sind jährliche Befragungen - soll das Barometer zugleich ein anschauliches Bild der Lage bieten und aufzeigen, welche Maßnahmen wirklich helfen können, die Situation langfristig zu verbessern.
Vorgestellt wurde das Konzept des Nachwuchsbarometers Technikwissenschaften der Fachöffentlichkeit am 7. März 2008 im Rahmen eines Auftaktworkshops in Berlin. Experten aus Bildungsforschung, Sozialwissenschaft, Politik, Wirtschaft und Verbänden diskutierten Ziele und Methoden des neu gestarteten Projektes. Die Veranstalter versprechen sich von diesem Austausch auch wertvolle Anregungen zur Erweiterung des Konzeptes.
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